Maschinenbauforum

Industrie 4.0, 20.07.216

Thementag Industrie 4.0

20. Juli 2016

Begrüßung
Edeltraut Horbach, Organisation & Moderation

9:00 uhr

Zukunftsmarkt Industrie 4.0
Dr. Jörg Blechschmidt, FutureManagementGroup AG

9:10 Uhr

Blechschmidt, FMGIndustrie 4.0 gilt als das bestimmende Zukunftsthema im Maschinenbau. Es zeichnet das Bild einer vollständig vernetzten Produktion in der Anlagen miteinander kommunizieren und Werkstücke selbsttätig ihren Weg durch die Bearbeitungskette finden.

Doch welchen Einfluss hat diese Vision schon heute auf unsere Branche? Welche Chancen und Möglichkeiten sind damit verbunden? Oder sind es vielmehr Risiken, etwa durch branchenfremde Unternehmen, die über ihre Kompetenz im Umgang mit Daten – seien es nun die großen Softwareanbieter oder gar Google – in Ihr bestehendes Geschäft eindringen und zunehmend die Kundenschnittstelle besetzen?

Dr. Jörg Blechschmidt betreut seit vielen Jahren Innovationsprojekte im Maschinenbau, validiert gemeinsam mit Kunden mögliche Szenarien und entwickelt daraus tragfähige Geschäftsmodelle. In seinem Vortrag skizziert er anhand von Beispielen Chancen und Risiken dieser Entwicklung und zeigt die Notwendigkeit einer Industrie-4.0-Strategie auf.

Wer sind die Treiber von Industrie 4.0?… und was tun, wenn es Ihr Kunde ist?!
Ernst Kranert, Leiter Einkauf, Wolf GmbH

10:05 uhr

Kranert Wolf-Heiztechnik_F13EKZugegeben, ein etwas ungewöhnlicher Titel, aber er bringt es auf den Punkt: Sind Sie darauf vorbereitet, wenn Ihr Kunde eine neue Maschine von Ihnen kaufen will, die mit der bei ihm vorhandenen Peripherie kommunizieren und gleichzeitig auch für zukünftige Erweiterungen die Integration in die kommunikative Vernetzung bieten soll? Und Sie den Auftrag verlieren, weil Sie keine Lösung anbieten können?

Ernst Kranert ist Einkaufsleiter bei Wolf und über den Einkauf von Investitionsgütern stark in die Fertigungsprozesse involviert. Bei Wolf gibt es seit Jahren eine Fließfertigung ähnlich der in der Automobil-Industrie. Was liegt also näher als bei der Neuanschaffung einer Blechbearbeitungs-Maschine die Vernetzung mit den nachfolgenden Maschinen zu verlangen? Er berichtet in seinem Vortrag über seine Erfahrungen, die potenziellen Lieferanten auf den Weg zu 4.0 zu bringen…

Hersteller-unabhängige Software-Lösungen zur Optimierung der Fertigung – Retrofit 4.0?
Entwicklung eines Maschinenbauers zum Beratungs- und Softwareanbieter

Dr.-Ing. Bernd Kempa, Fertigungsleiter, Maschinenfabrik Reinhausen

11:15 Uhr

Dr.Kempa, MRIndustrie 4.0 fällt nicht vom Himmel, auch nicht aus dem Cyber-Space. Hierfür bedarf es eines Entwicklungsprojektes – was aber nicht zwingend mit der Neuentwicklung maschineller Hardware im Zusammenhang stehen muss. Investitionsschutz – sei es bei Kunden oder im eigenen Unternehmen – ist eine der größten Herausforderungen von Industrie 4.0. Die Frage lautet: Wie kann es gelingen, bestehende Maschinen oder Anlagen zu selbst-optimierten cyber-physikalischen Systemen (weiter) zu entwickeln, um die Wertschöpfung in der Fertigung – wie in diesem Beispiel – im zweistelligen Bereich zu optimieren?
Dr. Kempa ist Leiter der Fertigung bei der Maschinenfabrik Reinhausen und präsentiert in seinem Vortrag das ‚Intranet‘ der Dinge: hier wurde zunächst eine Software für die Optimierung der eigenen Produktion entwickelt, die heute als eigenständiges, hersteller-unabhängiges Produkt für die zerspanende Fertigung in den Markt gebracht wird. Features wie das Controlling der Maschinennutzung (OEE), der Einsatzhäufigkeit der Werkzeuge und des Arbeitsgangfortschritts sowie die Prognose der Fertigstellung sind zusätzliche Highlights dieser Anwendung. Er gibt Einblick in das Zusammenspiel von Fertigung und IT-Engineering bis hin zu der Entscheidung, das eigene Produkt im Markt zu platzieren.

Software as a Service: Condition monitoring zur Sicherstellung von Leistung, Effizienz & Predictive Maintenance
Gunnar Heise, Produkt-Markt-Manager, Otto Boge GmbH & Co. KG

12:10 uhr

160512_Heise_retusche_EO11148Zentrale Assets wie Druckluftsysteme und Aufbereitungskomponenten müssen sich im digitalen Produktionsumfeld von reinen Komponenten zu vernetzten Anbietern von Funktionen und Diensten wandeln – eine enorme Chance, sich jenseits der reinen Hardware zu differenzieren und dem Kunden Lösungen zu bieten, die eigene Produktivität nachhaltig zu erhöhen.

„airstatus“ steht bei Boge für ein leistungsfähiges Ferndiagnosetool, dass den Anwender von jedem beliebigen Ort der Welt über den Status seiner Druckluftanlage informiert – seien es Prozessdaten, die kontrolliert und ausgewertet werden können oder der Hinweis auf notwendige Wartungen. An dieser Stelle verschmelzen das Primärprodukt und Smart Services bis hin zu Predictive Maintenance.

Über Smartphone oder Tablet-PC hat man von überallher den aktuellen Zustand von bis zu 32 Komponenten im Griff. Tritt irgendwo ein Fehler im Prozess auf, wird er sofort identifiziert, analysiert und kann schnellstens behoben werden. Die Produktion ist dadurch stets am Optimum, der ungeplante Stillstand passé und das App Türöffner für attraktives Service- und Folgegeschäft.

Gunnar Heise gibt in seinem Vortrag Einblick in die marktseitige Entwicklung dieser Lösung und das daraus resultierende Geschäftsmodell.

Condition Monitoring als „Eintrittskarte“ zu Industrie 4.0 und Grundstein für Big Data
Asset Life-Cycle-Management bei Voith

Ulf Klaua, Leiter Sales, Voith Turbo Lokomotivtechnik GmbH & Co. KG

14:05 Uhr

Klaua, VoithDer Wandel eines Geschäftsmodells vom Kauf zum Leasing von Lokomotiven war Auslöser für dieses Projekt: die Kontrolle des Herstellers über den Zustand seiner Assets und deren Positionsverfolgung im Betrieb. Die klassische Hardware und die dazugehörige Dienstleistung verschmelzen zu einem neuen, vollintegrierten Produkt, dass den Betreiber über die vorausschauende Wartung und permanente Transparenz zu einem Mehr an Zuverlässigkeit, ständiger Optimierung und damit zu einem erheblichen Effizienzsprung verhilft. Grundlage hierfür war das permanente Condition Monitoring an unzähligen beweglichen Maschinen und eine strukturierte Datenerfassung. Ulf Klaua beschreibt in seinem Vortrag die Entwicklungsgeschichte dieser Software und die damit verbundene Eroberung gänzlich neuer Absatzmärkte jenseits der Schiene.


Entwickeln, was dem Kunden nützt: Stückzahl 1 und Individualisierung in der Großserie durch additive Fertigung

Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb, Arburg GmbH & Co. KG

14:50 Uhr

Gerhard Böhm, Vertrieb, KC, Kundencenter,

Industrie 4.0 ist ohne 3D-Druck nicht denkbar und eröffnet ungeahnte Möglichkeiten: die additive Fertigung ermöglicht die Herstellung kleiner Losgrößen bis zur Stückzahl 1, kostengünstiges Prototyping in Entwicklungsprojekten bis hin zur Fertigung von selten benötigten Ersatzteilen.

Durch die Verknüpfung des Freeformers für das Kunststoff-Freiformen mit der klassischen Spritzgießmaschine können individualisierte Produkte aus der Serie heraus kosteneffizient gefertigt und – mit einem aufgelaserten Data-Matrix-Code – rückverfolgt werden. Besondere Attraktivität gewinnt dieses Herstellungsverfahren dadurch, dass auf die Herstellung eines kostenintensiven Werkszeugs verzichtet werden kann bei gleichzeitiger Verwendung derselben Materialien wie diese in der Serie Verwendung finden.

Die vernetzte Produktion – bis in die Supply Chain
Individualität als Kundenforderung – Losgröße 1 in der Fertigung

Ernst Esslinger, Leiter IT-Engineering, HOMAG Holzbearbeitungssysteme GmbH

16:00 Uhr

Esslinger, HomagDie Individualisierung in der Möbelindustrie wird schon seit vielen Jahren vorangetrieben. Losgröße 1 ist längst Realität. 48 Mio. Varianten in 15 Arbeitstagen und eine Leistungssteigerung von 30% bei gleichem Personaleinsatz. Ernst Esslinger präsentiert in seinem Vortrag die Vernetzung von Maschinen, Handling-Systemen und Lägern und die kundenindividuelle Produktion innerhalb der Fertigung, und darüber hinaus: die Einbindung der Supply Chain vom (Vor-)Lieferanten bis zum Kunden. Dadurch hat auch der Vertriebsprozess und die Rolle des Vertriebsmitarbeiters einschneidende Veränderungen erfahren – sowohl bei HOMAG als auch beim Endkunden: Ganze Büroeinrichtungen werden am Tablet geplant, visualisiert und noch vor Ort in das ERP-System des Anbieters eingelastet. Die Software wird elementarer Bestandteil des Produktportfolios jenseits der Maschinensteuerung.

Herr Esslinger gewährt Einblick in den notwendigen Veränderungsprozess innerhalb des Unternehmens sowie die Anforderungen an Standardisierung der Schnittstellen und IT-Security.

Benchmarking: Industrie 4.0 aus der Management-Perspektive
Studie der Universität St. Gallen, Institut für Technologie-Management

Richard Lützner, Business Innovation, Research Associate, Universität St. Gallen

16:50 Uhr

Luetzner_Uni St. GallenZum Abschluss der Tagung präsentieren wir Ihnen eine Benchmarkstudie der Universität St. Gallen: Wie ist der Stand von Industrie 4.0 in unserer Branche? Wo stehen wir, in Deutschland und Europa? Unternehmen wählen unterschiedliche Methoden, aber das Ziel ist immer das gleiche: die Optimierung der Produktion, der Produkte und Services durch die Verbindung der physischen mit der Cyber-Welt bis hin zu neuen Geschäftsmodellen. Die Studie gibt einen Überblick über relevante Wettbewerbsfaktoren, die zur Anwendung kommenden Technologien und die Schlüsselfaktoren einer erfolgreichen Praxis mit Blick auf den Kunden. Basis der von Richard Lützner präsentierten Ergebnisse sind Nutzer und Anbieter von Industrie 4.0-Lösungen.