Einkauf, Materialwirtschaft, Engineering

Sehr geehrte Teilnehmer,
liebe Freunde des MASCHINENBAUFORUMs,

in den Medien kommen B2B-Veranstalter annähernd nicht vor - aber wir dürfen laut Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg gemäß §10 Abs.2, Punkt 7 mit bis zu 100 Personen im Rahmen von außerschulischen Bildungsleistungen pro Veranstaltung präsent sein, gekoppelt an einen Inzidenzwert von max. 165. Darüber sind wir froh und dankbar, da persönliche Kontakte, ein intensiver Erfahrungsaustausch und adäquate Interaktionen im letzten Jahr einfach auf der Strecke geblieben sind und sich digital kaum abbilden lassen. Darüber hinaus sind die Menschen der Online-Kommunikation und des Online-Lernens müde geworden.

Selbstverständlich finden alle unsere Präsenz-Veranstaltungen unter Hygiene-Bedingungen statt, d.h. für Sie: Einzelplatzbestuhlung mit einem Abstand von 1,5 m von Platz zu Platz und mindestens 11 m³ Raumluft pro Person bei ausreichender Belüftung. Für unsere Räumlichkeiten im Parkhotel Pforzheim heißt das großzügige Durchlüftung mit Frischluft in den Pausen, für die Räume im CCP Congresszentrum eine Klimaanlage, die ausschließlich mit Frischluft gespeist wird.

Für Ihre und unser aller Sicherheit bitten wir beim Check-In zur Veranstaltung um die Vorlage eines negativen Antigen-Schnelltests. Der Test muss durch geschultes Personal in einer Apotheke oder einem Testzentrum durchgeführt werden und das Testergebnis darf am Tag der Veranstaltung nicht älter als 48h sein. Ergebnisse von Selbsttests können wir aus Sicherheitsgründen leider nicht akzeptieren!


Präsenz-Veranstaltung im CongressCentrum Pforzheim 20. bis 22. Juli 2021

Einkauf, Materialwirtschaft, Engineering

20. Juli 2021

Einkauf 4.0 – (K)eine Vision für den Maschinenbau?! – Expertenteam schafft Masterplan
Armin Maes, Leiter strategischer Einkauf, Elexis AG und EMG Automation GmbH

Der Hype ist vorbei, aber die Herausforderungen bleiben – und die Motivation, den Einkauf noch effizienter, leistungsstärker zu machen und weiterhin für Wertbeiträge zu sorgen, insbesondere vor dem Hintergrund der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten. In diesem Projekt hat ein Team von Einkaufsleitern aus dem mittelständischen Maschinen- und Anlagenbau über einen Zeitraum von zwei Jahren eine Blaupause geschaffen, mit der es möglich ist, das Digitalisierungspotential der strategischen und operativen Einkaufsprozesse zu validieren sowie praxisorientierte Grundlagen für die Ableitung einer Digitalisierungsstrategie zu erarbeiten – je nach Reifegrad und angepasst an die Unternehmensstrategie. Oder mit anderen Worten: den Grundstein für eine Vision Einkauf 4.0 zu schaffen, an deren Umsetzung zielorientiert und systematisch gearbeitet werden kann. Das Team hat die ermittelten Digitalisierungspotenziale mit am Markt verfügbaren Tools und Systemen abgeglichen und darüber hinaus einen Blick in die Zukunft gewagt. Armin Maes gibt Einblick in diesen Prozess, die Vorgehensweise und Chancen.

Quo Vadis Stammdatenmanagement – das Fundament der Digitalisierung

Eckhard Böker, Leiter Materialwirtschaft und Produktion und
Manuel Keilich, Leiter Prozessmanagement, Brückner Maschinenbau GmbH

Ein Attribut der Digitalisierung ist die ungeheure Geschwindigkeit der Veränderungen – Wettbewerbsvor- und Nachteil zugleich, je nachdem, welche Position man innehat. Viele Unternehmen sind mehr als enthusiastisch gestartet, um dann ihre digitalen Träume wie Seifenblasen platzen zu sehen. Die Frage nach dem Warum führt dann oft in die Welt der Stammdaten.
Ihr Digitalisierungsvorhaben steht auf dem vorhandenen Fundament der Stammdaten. Aber Hand auf’s Herz: Würden Sie darauf bauen wollen?
Brückner hat viel Zeit investiert, um ein ganzheitliches Fundament für die Digitalisierung zu schaffen. An erster Stelle stand die Frage: Wer arbeitet mit welchen Daten? Wie ist die Qualität? Worauf greifen Disposition, Arbeitsvorbereitung oder der Service zu? …der Vertrieb, Buchhaltung, das Controlling? Was ändert sich über den Lifecycle? Welches System ist führend und wer trägt schlussendlich die Verantwortung? Der Beitrag ist Erfahrungsbericht und Handlungsempfehlung zugleich!

Autonome Bestellungen
Ernst Kranert, Einkaufsleiter, Wolf GmbH

…sind wesentlich einfacher zu realisieren wie autonomes Fahren: ob ein ERP-System nun einen Bestell-Vorschlag errechnet oder diesen gleich in eine Bestellung umsetzt, ist keine technische Herausforderung. Diese liegt vielmehr in der Definition eines klaren Regelwerkes, das eineindeutig im System hinterlegt werden muss: Welche Artikel sind hierfür geeignet? – …sicher keine Einmalbezüge oder saisonale Beschaffung, Auslaufteile und Lohnbearbeitung. Spielt die Lieferzeit eine Rolle? Wie weit will man gehen? Wie hoch darf der Bestellwert sein – pro Artikel oder Bestellung? Und der Rhythmus? Und was wird aus der Unterschriftenregelung?
Ernst Kranert hat bereits in 2016 ein erstes Pilotprojekt gestartet und überlässt dem ERP für einen definierten Bereich die autonome Bestellauslösung. Er gibt Einblick in ein umfassendes Regelwerk, Erfolgsfaktoren und Stolpersteine.

KI im Doppelpack:
Process-Mining für mehr Effizienz im indirekten Einkauf – Data Mining für Teilescouting und Beschaffungsmarktanalysen
Matthias Nicklas, Leiter Indirekter Einkauf, SEW Eurodrive GmbH & Co. KG
Angelika Bittner, Gruppenleitung Analytik & Prozesse, SEW Eurodrive GmbH & Co. KG

KI hat viele Gesichter. Die einen erschließen sich ad hoc, bei anderen muss man etwas tiefer eintauchen, um sich den Nutzen zu erschließen. Bei der Process Mining-Analyse geht es um das Erkennen von Auffälligkeiten in bestehenden IT-Prozessen, die zu vielfältigen manuellen Maßnahmen führen, seien es Liefertermin- und Preisabweichungen, fehlende WE-Buchungen oder Skonto-Dringlichkeiten. Matthias Nicklas berichtet anhand von Praxisbeispielen über die Behebung von Ineffizienzen, Erhöhung des Automatisierungsgrades sowie die Optimierung der Beschaffung über Marktplätze im indirekten Einkauf.

Eine weitere nutzbringende Anwendung ist Data Mining: Im Rahmen des ganzheitlichen Ansatzes „Procurement 360°“ wurde eine KI-basierte Sourcing Plattform implementiert, die es erlaubt binnen kürzester Zeit die weltweit am besten geeigneten (Alternativ-)Lieferanten zu finden – auf Basis von 9 Mio. Lieferantenprofilen und 4 Mrd. Datensätzen. Binnen 48 Stunden steht bereits eine vorqualifizierte Longlist, die nach Bewertung zu einer Short List in einen Vergabeprozess überführt wird: 75 % weniger Zeit, 90 % weniger Aufwand und quasi ad hoc belastbare Ergebnisse. Angelika Bittner: „Damit sind wir vergleichsweise gut durch die Krise gekommen“.

Erfahrungen aus vier Jahren Entwicklungsarbeit Einkauf 4.0 – und wie der Change gelingen kann

Dr. Johann Neidl, Director Procurement & Supplier Management, HORSCH Maschinen GmbH

Er ist einer derjenigen, die sich frühzeitig auf den Weg gemacht haben, die unzähligen Möglichkeiten des Einkaufs 4.0 zu erkunden. Sein Spektrum reicht von Robotic Process Automation, Data und Process Mining, Predictive Planning und der Einführung eines Lieferantenportals nebst Web-EDI sowie PDM- und PLM-Systemen – und dies alles binnen vier Jahren!

Damit einhergehend vollzog sich auch ein genereller Umbau der Einkaufsorganisation: Die Tätigkeiten des operativen Einkaufs wurden einerseits reduziert, andererseits mit anspruchsvolleren Aufgaben angereichert. Konstruktion und Projekteinkauf agieren gemeinsam und führen zu einem neuen Kostenbewusstsein; Kalkulation und Preisermittlung erfolgen zukünftig automatisiert.

Das alles entsprang einem Ideenraum, der Verabschiedung konventioneller Strukturen und einem persönlichen Entwicklungsplan für jeden Mitarbeiter.

Bots, KI & Co. – wo geht die Reise hin?
Thomas Dieringer, General Manager und CDO, Jaggaer Austria GmbH

Was vor Kurzem noch Vision war, füllt sich immer schneller mit Leben und realen Anwendungsfällen. Die Buzzwords werden konkreter, wenngleich Wunsch und Wirklichkeit nicht immer übereinstimmen. Bots sind die „kleinen Helferlein“, öden und deshalb fehlerträchtigen manuellen Eingaben ein Ende zu machen; Process Mining deckt Schwachstellen in bereits digitalisierten Prozessen auf. Und Machine Learning?

Das Prinzip von (Big) Data Analytics ist die Verknüpfung und Interpretation von historischen und zukunftsorientierten Daten auf Basis eines übergreifenden Modells. Die Fähigkeit, auf Basis großer Datenmengen Bedarfe, Märkte und Lieferanten professionell analysieren und besser steuern zu können, wird daher eine Kernkompetenz des Einkaufs. Thomas Dieringer trennt die Spreu vom Weizen und zeigt die wichtigsten Anwendungsfälle zur Verbesserung der Einkaufsleistung und gibt Ausblick auf zukünftige Anwendungen..

Come Together im Foyer des Mittleren Saales

Einkauf, Materialwirtschaft, Engineering

21. Juli 2021

Transparenz in der Prozesskette – Total Supplier Management (TSM)
Potenziale zur Risikominimierung & Prozesskostensenkung

Prof. Dr.-Ing. Robert Dust, International Technology Transfer Management, bbw Hochschule

…nichts konnte schmerzhafter sein als die vergangenen Monate – eine Krise, in der Lieferketten brachen, die Versorgung gefährdet war und Insolvenzen ihren Anfang nahmen. Manch ein Einkäufer hätte gerne einen Blick in die Glaskugel gehabt, um einen realistischen Überblick über seine Lieferanten-Abnehmer-Situation zu erhalten. In diesem Fall heißt die Glaskugel TSM: ein workflowbasiertes Kooperationsmodell für die standardisierte, bereichsübergreifende und prozesskostenoptimierte Gestaltung und Steuerung des gesamten Partnernetzwerks. Ziel von TSM ist es, die Lieferanten-Abnehmer-Beziehung zu jedem Zeitpunkt koordiniert steuern zu können, die Versorgungsicherheit zu maximieren und für eine frühzeitige Identifikation und gemeinsame Vermeidung von Risiken zu sorgen. Die Synergieeffekte führen zur Optimierung der eigenen Schnittstellen, einer „Plug & Play“-Fähigkeit zur Anbindung der Lieferanten und der Vermeidung von Fehlerfolgekosten. Dadurch können interne Verbesserungsmaßnahmen initiiert werden, um den Herausforderungen der Digitalisierung besser begegnen zu können.

Herausforderung ERP-Einführung – und die Neugestaltung der Prozesslandschaft
Agiles Projektmanagement bei der SAP S4/Hana-Implementierung
Ivo Richter, Experte für Wertstrom und Prozessgestaltung, Heidelberger Druckmaschinen AG

Wir kennen ihn alle, den Spruch von den „shit“ Prozessen – und sind spätestens dann damit konfron­tiert, wenn wir unsere ERP-Systeme neu aufsetzen, digital veredeln oder mit anderen Systemen in­teragieren lassen wollen. Kaum jemand befindet sich in der exklusiven Lage, sein Projekt auf dem Greenfield gestalten zu können…
Zudem stoßen wachsender Ressourcenbedarf und jahrelange Laufzeiten vermehrt auf Unver­ständ­nis. Dabei gibt es gute Gründe, weshalb IT-Projekte komplexer werden: Wachsende Tiefe der erfass­ten Daten, höherer Vernetzungs­grad, komplexere Produkte und steigende Prozessvarianz.
Die Heidelberger Druckmaschinen AG hat den Systemwechsel bewusst als agiles Projekt organisiert, in dem die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen IT, Fachbereichen und Beratern gestärkt und der Arbeitsfortschritt jederzeit transparent ist. In diesem Setup lassen sich die vielen klei­nen und gro­ßen Probleme, die aus unklaren Prozessen oder widersprüchlichen Implementierungen in Altsys­temen resultieren, schnell lösen und so Qualität und Umsetzungsgeschwindigkeit steigern. Last but not least: Das Projekt arbeitet 100 % virtuell!
Ivo Richter hat das Projekt als agiler Coach begleitet und berichtet von den Erfolgsfaktoren und Schwierigkeiten. In einem Ausblick geht er darauf ein, was wir bei der Ge­staltung unseres Business und der Prozesse beachten müssen, um zukünftig IT-Systemwechsel in ih­rer Komplexität handhabba­rer zu machen.

Der Einkauf als Grundpfeiler der Prozesskette: störungsfreier Materialfluss & Planungssicherheit
Alexander Bentele, Leiter Produktionsplanung, Liebherr Verzahntechnik GmbH und
Dipl.-Math. Markus Günther, Produktmanager, Inform GmbH

Fehlteile sind ein wechselseitiges Drama zwischen Einkauf und Produktion – nichts stört die Prozesskette mehr als Lieferverzüge und der daraus resultierende Mehraufwand, ganz abgesehen von möglichen Vertragsstrafen und Pönalen.
Wenn man dazu im Sondermaschinenbau tätig ist und kundenspezifischen Anforderungen Rechnung tragen will, deren eigene Entwicklung zum Zeitpunkt der Auftragserteilung noch längst nicht abgeschlossen ist, helfen die anonymen Priorisierungen aus ERP-Systemen nicht weiter.

Bei Liebherr hat man sich für eine dynamische Bedarfsplanung entschieden, deren große Profiteure die Beschaffung für die Eigenfertigung und der Einkauf sind: Realistische Termine werden gegen die begrenzten Kapazitäten gespiegelt, Fehlteile in einem Auftragsnetz visualisiert, gekennzeichnet und über Nacht den jeweiligen Einkäufern mit entsprechenden Kommentaren zur Verfügung stellt: Der Benefit sind Echtzeitanalysen, auftragsbezogene Eskalationen und eine Reduzierung der fehlteilbedingten Stillstände, ganz abgesehen von der Aufwandsreduzierung auf beiden Seiten der Schnittstelle.

3D-Druck – vom Hype zur Realität

Chris Groger, Senior Manager Supply Chain Management, Carl Zeisss SMT GmbH

Groger, Chris, Carl Zeiss

Die additive Fertigung galt als eine der Zukunftstechnologien unserer Zeit und stand in den letzten Jahren immer an der Spitze dieses Hypes der industriellen Anwendungen – aber es ist still geworden um diese aufstrebende Technologie. Ist es nach wie vor Unwissen oder der nächste Entwicklungsschritt bereits vollzogen, sprich die Etablierung in die eigene Fertigung bzw. Beschaffung?

Chris Groger verfügt über fundierte Erfahrungen über die Nutzung additiver Fertigungsverfahren in Kunststoff und Metall. In seinem Vortrag spricht er über die fast unbegrenzten Möglichkeiten des 3D-Drucks, Kostenanalysen und notwendige Druckstrategien als auch die Grenzen dieser Anwendung:  Was technisch möglich ist, ist nicht unbedingt bezahlbar. Oder umgekehrt – enorme Einsparpotenziale im Rahmen von Wertanalyseprojekten, bei Neuentwicklungen oder im Ersatzteilbereich. Last but not least: der Umgang mit der Fertigungsprüfung als Voraussetzung für den Einsatz additiv gefertigter Teile oder Komponenten.

Leider stehen die an dieser Stelle geplanten Vorträge zu den Themen Non-Linear-Performance Pricing sowie Cost- & Value Engineering nicht mehr zur Verfügung. Derzeit arbeiten wir intensiv an der Vervollständigung des Programms mit ebenso attraktiven Beiträgen und bitten um Verständnis. Vielen Dank!