Einkauf und Materialwirtschaft, Teil 1

11. März 2014

Controlling: Einkaufserfolge messen + präsentieren
Andreas Ripkens, Senior Procurement Specialist, SMS Siemag AG

Einkaufscontrolling gehört zum Selbstverständnis eines wertorientierten Einkaufs. Welche Leistungsindikatoren Anwendung finden hängt maßgeblich von den strategischen Unternehmenszielen ab und dem Anspruch an die eigene Organisation. Was sind die Drive Factors? Wo geht die Reise hin? Wie messe ich, damit aus subjektiven Erfolgen belastbare Ergebnisse werden die nicht mehr infrage gestellt werden können? Andreas Ripkens spannt den Bogen von der Datenerhebung über die Aufbereitung der Zahlen bis hin zur Präsentation von Savings, realer Wertschöpfung, Prozessoptimierungen und strategischen Projekten. Gegenstand der Präsentation sind die KPI’s der SMS Siemag AG.

Kostentreiber erkennen: Preisstrukturanalyse
Angelika Fröhning, Head of Procurement, Claudius Peters Projects GmbH

Wer die Kosten eines Produktes reduzieren will, muss wissen, wo sie anfallen. Welches sind die Werthebel, was die Kostentreiber? Ist es die endlos variable Zukunft des Stahlpreises? Oder sind es einzelne Zukaufteile, Baugruppen, Transportkosten oder gar eine Mischung aus allem? Wie sieht eine praktikable Ist-Kosten-Analyse aus? Und welches ist der richtige Blickwinkel – Warengruppe oder Gesamtsicht? Erst wenn die zentralen Kostentreiber bekannt sind, können die effektivsten Maßnahmen zur Kostensenkung vom Team definiert und umgesetzt werden. Angelika Fröhning zeigt in ihrem Vortrag, wie sie die Daten systematisch ermittelt und eine nachhaltige Verbesserung der Kostensituation erreicht.

Open Book: Aufdeckung der Lieferantenkalkulation
Alfons Wagner, Leitung Logistik, pester pac automation GmbH

Alles eine Frage der Marktmacht? Von Abnahmemengen? Und Unternehmensgröße? Respektive: das können nur die ganz Großen? Dabei gibt uns das Tagesgeschäft mehr als eine Gelegenheit tiefer in die Kalkulation des Lieferanten einzusteigen, sei es nun dass uns der Angebotspreis zu hoch erscheint, bedenklich niedrig ist oder eng kalkulierte Projekte andere Maßnahmen erfordern. Um sich den Zugang zum Lieferanten zu erschießen braucht es jedoch ein grundlegendes Verständnis wie dieser zu seinen Preisen kommt. Alfons Wagner hat den Weg über die eigene Fertigung genommen, sich zunächst auf Zeichnungsteile konzentriert und ist Schritt für Schritt zu seinen Lieferanten vorgedrungen – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Verhandlungen mit Monopolisten, gesetzten Lieferanten – und Geiselgangstern
Ernst Kranert, Bereichsleitung Einkauf, Wolf GmbH

Es ist die Königsdisziplin des erfolgreichen Einkäufers: Verhandeln mit Lieferanten die – zumindest kurzfristig – keinem Wettbewerb ausgesetzt sind und in diesem Bewusstsein auch ihren Verkaufsprozess gestalten. Diese Aufgabe erfordert vom Einkäufer eine hoch entwickelte Verhandlungskultur, Kreativität und Mut – keine Verhandlung ist wie die letzte. Neben einer guten Vorbereitung bedarf es hoher analytischer Fähigkeiten und viel Wissen über den Menschen: Ist das Gegenüber Verhandler oder Erpresser? Was haben gesetzte Lieferanten mit Geiselgangstern gemein? Ernst Kranert gibt Einblick in seine Verhandlungsstrategien und Taktiken und zeigt anhand von Beispielen wie dicht Erfolg und Misserfolg in solchen Situationen beieinander liegen können.

Global Sourcing in Osteuropa, Indien und Korea – ein Erfolgs- und Erfahrungsbericht
Dipl.-Wirt.-Ing. Andreas Kunau, Leiter Einkauf, PILLER Group GmbH

Die Quote für Global Sourcing in deutschen Unternehmen ist immer noch deutlich geringer als gemeinhin angenommen: nur 25 % der Bedarfe werden im Ausland gedeckt. Zugegeben, Qualitätssicherung und Liefertermintreue sind eine der größten Herausforderungen je weiter man gen Osten kommt – und viele Unternehmen sind daran gescheitert. Dazu kommen falsch eingeschätzte Einsparpotenziale, fehlerhafte Kalkulationen und die Erschwernis fremder Kulturen. Anders Andreas Kunau: er berichtet in seinem Vortrag von „nativen“ Einkäufern, Beschaffungsmarktforschung vor Ort und einer schlüssigen Abfolge von Bemusterung, Qualitätskontrolle und Sicherstellung der Termine bis hin zur erfolgreichen Partnerschaft.

Potenzialanalyse & Erschließung von attraktiven Beschaffungsmärkten
Dipl.-Wirtsch.-Ing. Frank Sundermann, geschäftsführender Gesellschafter, DDVC GmbH

Rumänien, Türkei, Mexiko, China, Indonesien – Verlockungen gibt viele, wenn es um Best-Cost-Countries geht. Aber wie sind Kostenniveau und Qualität? Welche Länder bieten sich an – und bin ich überhaupt vorbereitet, das Potenzial zu erschließen? Nicht selten kommen Unternehmen über die Verlagerung von ein paar Dreh- und Frästeilen nach Polen oder Tschechien nicht hinaus. Manchmal werden die (fern-)östlichen Zulieferer gänzlich abgestraft, da die eigene Flexibilität hinsichtlich kurzfristiger Änderungen und Lieferzeiten gefährdet wird. Aber sind das nicht auch vorgeschobene Gründe, die die Ineffizienz der eigenen Organisation kaschieren? Frank Sundermann berichtet über seine langjährigen Erfahrungen in diesen Regionen: über wirklich vollständige Zeichnungen, Messergebnisse bei 30°C, Stahl-ist-Stahl-Qualität und Beistellungen von 70 % bei Baugruppen oder Follow-Your-German-Supplier-Strategie… – und zeigt wie man bei der Potenzialanalyse & Erschließung von attraktiven Beschaffungsmärkten erfolgreich sein kann.

Come Together im Foyer des Mittleren Saales

Einkauf und Materialwirtschaft, Teil 2

12. ärz 2014

trategisches Warengruppenmanagement
Torsten Althaus, Head of Purchasing & CIP, Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG

Die ganzheitliche Betrachtung einer Warengruppe mit einem strukturierten, systematischen Bearbeitungsansatz ist der Schlüssel zu einer umfassenden Potenzialausschöpfung. Sie schafft dauerhafte Transparenz über Beschaffungsvolumen und Märkte und ermöglicht sowohl ein aktives Lieferantenmanagement pro Warengruppe als auch spezifische Warengruppenstrategien. Torsten Althaus beschreibt in seinem Vortrag den Einfluss der Absatzmärkte auf den Einkauf, die Notwendigkeit einer umfassenden Restrukturierung historisch gewachsener Strukturen und den Aufbau eines strategischen Warengruppenmanagements, das von Technologieteams geführt wird, die Einkaufs- und Entwicklungserfahrung weltweit miteinander verbinden.

Trennung strategischer – operativer Einkauf
Michael Rudorf, Leiter Strategischer Einkauf, Maschinenfabrik Reinhausen GmbH

Spätestens wenn’s brennt geht das Operative vor – oder mit anderen Worten: wenn die Versorgungssicherheit der Produktion gefährdet ist geraten zwangsläufig alle anderen Themen in den Hintergrund. Allein aus dieser Perspektive macht es Sinn den Einkauf in strategische und operative Einheiten aufzuteilen – ganz abgesehen von dem generellen Wandel im Beschaffungsmanagement und den extrem hohen Anforderungen an den Einkauf als Wertschöpfungspartner, die mit althergebrachten Organisationsform nicht mehr zu leisten sind. Michael Rudorf beleuchtet in seinem Vortrag die Typologie der Beschaffungsprozesse, deren Aufgaben und gibt Einblick in einen umfassenden Change-Prozess. Die erzielten Ergebnisse reichen von Effizienzsteigerung, Erhöhung der Flexibilität bis hin zu rein monetären Ergebnissen.

Optimierung der Schnittstelle zwischen Einkauf, Technik und Produktentwicklung
Jan Christiani, Leiter Beschaffung & Logistik, Bernd Höpner, Leiter Entwicklung
BÖWE SYSTEC GmbH

Die einen im Elfenbeinturm – die anderen beim Bestellschreiben. Zugegeben, diese Situation ist veraltet, aber wie sieht die Realität von heute aus? Sind die Schnittstellen so optimiert, dass Wertanalyse oder Produktentwicklungen über die Abteilungsgrenzen reibungslos funktionieren und das wechselseitige Verständnis der jeweiligen Aufgaben sichergestellt ist, vorzugsweise in einem arbeitsteiligen Umfeld? Jan Christiani und Bernd Höpner berichten in ihrem Vortrag von einem Schlüsselerlebnis das zum Grundstein einer interdisziplinären Zusammenarbeit wurde. Abgeleitet von den individuellen Herausforderungen der einzelnen Bereiche wurde ein gemeinsames Verständnis über Aufgaben, Ziele, Zusammenarbeit und die Organisation der gegenseitigen Dienstleistungen geschaffen. Das Ergebnis: ein umfassender Kulturwandel, wirtschaftlicher Erfolg und jede Menge Potenzial…

Wertanalyse und Zielkostenmanagement
Bernd Frühwald, Vice President Industrial & Healthcare Solutions, Bühler Motor GmbH

Die Wertanalyse ist ein probates Mittel Materialeinsatz und Funktionen eines Produktes kritisch zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen. Aber es ist immer noch eine „Innenschau“ von Einkauf und Technik. Gute Wertanalyseprojekte beziehen auch die Vertriebsdimension mit ein – den Markt im weitesten Sinne. Kritisch wird es jedoch wenn Wettbewerber auf den Plan treten, den Preis des eigenen Produktes um 20 % unterbieten und am Ende des Tages nichts mehr verdient wird. Ist eine solche Situation noch lösbar oder ein Ding der Unmöglichkeit? Bernd Frühwald hat sich dieser Herausforderung gestellt und präsentiert ein Projekt dass sowohl die Wettbewerbsfähigkeit als auch die Ertragslage für das betroffene Produkt wieder hergestellt hat.

Erfolgreiche Lieferantenentwicklung und -integration
Eckhard Böker, Manager Supply Chain, Brückner Maschinenbau GmbH & Co. KG

Die Innovationszyklen in der Produktentwicklung werden immer kürzer und der Marktdruck verschärft sich. Ein Vorteil der deutschen und mitteleuropäischen Liefermärkte ist deren hohes Innovationspotenzial. Um weltweit wettbewerbsfähig zu sein gilt es diesen Standortvorteil zu nutzen. Die Verantwortung für diesen Prozess haben die Beschaffungseinheiten. Doch wer gestern noch einseitig mit reiner Kostenfixierung um den letzten Cent gekämpft hat, ist heute nicht unbedingt als Entwicklungspartner willkommen. Eine kooperative Unternehmenskultur und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit auf „Augenhöhe“ sind essentielle Voraussetzungen. Bei Brückner Maschinenbau ist die Fertigungstiefe Null. Von daher kommt der gemeinsamen Produktentwicklung und der Lieferantenintegration eine besondere Bedeutung zu. Die Fähigkeit in Funktionen zu denken, die Offenheit Ideen und Vorschläge aus den Liefermärkten einzufordern und gemeinsam zu bewerten, sind eine grundlegende Voraussetzung. Wird dieser Weg konsequent beschritten entsteht ein gemeinsames, an der Funktion orientiertes Kostenverständnis, das über eine rein am Preis motivierte Forderung nach „open book“ hinausgeht. Eckhard Böker berichtet in seinem Vortrag über das Verständnis zur Nutzung von Chancen aus den Liefermärkten, gemeinsamer Entwicklungsarbeit, Kostenfestlegung und Lieferantenintegration.

Zukunftsstrategie: der vernetzte Einkauf
Dr. Arne Engelbrecht, Partner, PUTZ & PARTNER

Durchschnittlich 60 % der Wertschöpfung werden durch den Einkauf realisiert. Dafür wurden in der Vergangenheit Mengen gebündelt, Preise, Konditionen, Prozesse und Systeme optimiert und weltweites Sourcing betrieben. Und dennoch – der Einkauf alleine kann allenfalls 30 % des möglichen Potenzials heben – bei allen anderen Aktivitäten ist er auf die Expertise seiner Schnittstellenpartner angewiesen. In der Rolle des strategischen Einkaufs übernimmt er als Business-Partner zunehmend eine Leadership-Funktion im Unternehmen. Doch wie soll dieses Szenario aussehen? Dr. Arne Engelbrecht gibt einen Überblick über die Handlungsfelder und die Entwicklungshebel systematischer Vernetzung die je nach Reifegrad zur Anwendung kommen können.